Finalisten

2017 haben die Bürgschaftsbanken 29 Kandidaten für den 6. Handwerkspreis vorgeschlagen. Im Finale stehen diese sieben Handwerksbetriebe:


Fritz Mühlenbäckerei, Aying
Schon bei der Gründung 1987 setzte der Bäcker Fritz Schlund konsequent auf Bio-Qualität. Bei der Fritz Mühlenbäckerei kommen sämtliche Rohstoffe aus regionaler und ökologischer Landwirtschaft, alle Zutaten werden deklariert und das Getreide in einer eigenen Mühle gemahlen. 1998 gewann der Biopionier den Münchener Umweltpreis, 2006 trat die Bäckerei dem Umweltpakt Bayern bei. Ab 2009 baute Schlund in Aying eine neue Backstube mit viel Platz und einer 400 m2-großen Photovoltaikanlage auf dem Dach, zusätzlich wird Ökostrom verwendet. Die Öfen heizt die Bäckerei mit CO2-neutralem Erdgas, nutzt die Abwärme zur Warmwasserbereitung und spart Trinkwasser in einer Zisterne.

Nach sorgfältiger und langer Planung übergab das Gründerehepaar Schlund den Betrieb 2015 an ihren Nachfolger Dirk Hausschild, die Schlunds bleiben aber noch bis 2020 Berater der Bäckerei. Bei der Übernahme der Gesellschafteranteile unterstützte auch die Bürgschaftsbank Bayern. So wurden 51 Arbeitsplätze gesichert. Neben Ausbildung und einem guten Betriebsklima wird in der Bäckerei Wert gelegt auf soziales Engagement: Der Betrieb macht mit bei Tollwood „Bio für Kinder“ und beliefert Kindergärten in der Region kostenlos mit Brot vom Vortag oder spendet an die Tafeln in München und Aying. Die letzten Brotreste gehen als Hühnerfutter weg.

Mehr auf: www.fritz-muehlenbaeckerei.de und Facebook


DEINE LIEBLINGSFRISEURE, Michael Thiede Friseurmeisterbetrieb, Berlin
Michael Thiede ist Friseurmeister. Bis 2015 war er angstellt, dann baute er in Berlin einen Laden zum Friseurbetrieb um und machte sich selbstständig. Dafür nutze er eine Bürgschaft der BBB Bürgschaftsbank zu Berlin-Brandenburg.  Er hat sich sehr gut vorbereitet: Für die Gründung hatte er ein klares Konzept: Im umgebauten Laden gibt es eine Bar und einen Garten im Innenhof. Thiede hat einen Fokus auf Wellness, mit internationalen Kunden wird Englisch gesprochen und er veranstaltet Vernissagen, mit deren Einnahmen er Künstler unterstützt. Alle Prozesse sind digitalisiert: von der Terminbuchung, über Kundenauswertung, Erfolgsstatistik bis zu Warenverbrauch und -bestellungen. Außerdem nutzen die Lieblingsfriseure Social Media und sind an die Buchungssysteme von Hotels angeschlossen.

Schon vor der Gründung suchte er sich seinen späteren Mitarbeiter aus und konnte Stammkunden mitnehmen. Statt geplanter drei Arbeitsplätze konnte er sogar sechs schaffen, einer davon ist ein Azubi. Thiede ist ein Friseur, der immer selbstständig sein und ausbilden wollte. Schon beim letzten Arbeitgeber war er Ausbildungsleiter und Produkttrainer, in seinem eigenen Betrieb schult er Mitarbeiter zu Haarstylingmethoden und Produkten und macht Workshops für Schüler.

Weitere Informationen unter: www.lieblingsfriseure.de, Facebook, Instagram, Twitter oder Pinterest


Metallbau Kuhz, Bad Doberan
Roland Kuhz hat eine Ausbildung zum Metallbauer mit Fachrichtung Konstruktionstechnik gemacht. Fünf Jahre später schoss er als Jahrgangsbester die Meisterprüfung ab und wurde von der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern als Dozent für die Meisterausbildung engagiert. Nebenberuflich ist seitdem außerdem ehrenamtliches Mitglied des Prüfungsausschusses der Metallbaumeister.

In seiner Freizeit baute Kuhz Bootsanhänger. 2010 verkaufte er neben der Arbeit zwölf Trailer und meldete ein Nebengewerbe an. 2011 machte er sein Hobby zum Hauptberuf. 2012 stellte er erste Mitarbeiter ein, 2013 hatte er zwei Angestellte und einen Azubi und baute das Geschäft Richtung Metallbau aus. Je nach Bedarf und Wetter arbeiten sie nun auf Baustellen oder bauen Trailer. 2015 plante er den Bau einer neuen Produktionshalle mit Büro und Sozialtrakt auf einem Grundstück. Den Kredit verbürgte die Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern.

2016 verkauften Kuhz und seine Mitarbeiter 120 Anhänger. Im Herbst konnten sie auf das neue Gelände ziehen, auf dem sie Platz für Produktion und Lagerung haben und ihr Angebot noch um Nutzanhänger erweitern konnten. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach deckt den Strombedarf und speist ins öffentliche Netz ein. Kuhz modernisierte auch die Ausstattung: Mit einer sonderangefertigten CNC-Bandsäge hat er die Automatisierung der Produktion eingeleitet und spart Material sowie Abfall. Das Vorhaben war so gut geplant und vorbereitet, dass Kuhz weniger als die geplante Kreditsumme brauchte. Außerdem konnte er einen neuen Vollzeit und einen Teilzeitarbeitsplatz schaffen.

Metallbau Kuhz im Internet: www.kuhz-metallbau.de und www.kuhz-trailer.de und auf Facebook


Café Classique, Münster
Die Bürgschaftsbank NRW kennt Ralf Ilgemann schon seit 1996. Damals unterstützte sie ihn bei der Gründung seiner Konditorei in Münster. Nach 20 Jahren am ursprünglichen Standort war das Café Classique überfüllt und der Andrang vor allem an Wochenenden zu groß. 2017 beschloss Gründer und Geschäftsführer Ilgemann deshalb umzuziehen. Lange schon hatte er die Expansion geplant. An der Finanzierung von Umbau und Renovierung beteiligte sich die Bürgschaftsbank mit einer zweiten Bürgschaft.

Das Konzept geht auf: Am neuen Standort im Westen von Münster konnte er vier neue Vollzeitarbeitsplätze und acht studentische Aushilfsstellen schaffen. Durch neue Arbeitsstationen und optimierte Arbeitsabläufe konnte die Rohertragsquote verbessert werden. Auch die Produktionsabläufe wurden optimiert und Herstellungszeiten verkürzt. Mit einer Verbundkälteanlage wird Energie gespart. Die Temperatur Kühlräume kann digital überwacht und gesteuert werden. Nicht zuletzt liegt der Kundenzulauf über den Planwerten.

Ilgemann unterstützt seine Mitarbeiter und setzt auf Ausbildung: Er bildet regelmäßig aus, ist seit 15 Jahren Lehrlingswart bei der Konditoreninnung Münsterland-Bielefeld und Mitglied des Bundesausschuss Ausbildung sowie Jurymitglied bei Landes- und Bundesentscheiden. Der Konditor organisiert Nachwuchswettbewerbe für Azubis und ermöglicht den Austausch von seinen Auszubildenden mit denen anderer Konditoreien. Im August 2017 konnte zudem ein erster Flüchtling seine Konditorausbildung bei ihm anfangen. 2017 bekam er den Preis Meister.Werk.NRW.2017 für Produktqualität, Betriebsführung und Verantwortung im Lebensmittelhandwerk.

Mehr unter: www.cafe-classique.de und Facebook


Bäckerei Stamm, Inh. Tobias Lennarz; Bingen
Schon seit 1903 gibt es die Bäckerei Stamm in Bingen, seit fast 30 Jahren hat sie sich auf Bio-Produkte spezialisiert. Dafür wurde sie ausgezeichnet und gehört laut der Zeitschrift „Feinschmecker“ 2017 zu den besten Bäckereien Deutschlands.

2016 übernahm Tobias Lennarz den Familienbetrieb mit zwei Standorten und führt ihn jetzt in der vierten Generation. Er hat eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht, dann BWL studiert, Bäckerlehre und Meisterausbildung gemacht. Bei der Übernahme und dem gleichzeitig geplanten Bau einer neuen Backstube mit Café in Gensingen unterstützte ihn die Bürgschaftsbank Rheinland-Pfalz.

In der neuen Filiale entstanden sechs zusätzliche Vollzeitarbeitsplätze, eine Azubistelle und zwei bis drei Aushilfsstellen. Lennarz unterstützt regionale Sport- sowie Musikvereine, überschüssige Backwaren spendet er täglich an die Caritas. Übernahme und Expansion hat er gut vorbereitet und unausgeschöpftes Potenzial der Bäckerei analysiert: Vorher brauchten zwei getrennte Backstuben doppeltes Personal und viele Lieferungen. Durch den Umzug kann die Bäckerei Personalkosten einsparen, größere Fläche, Café und längere Öffnungszeiten bieten Potenzial für mehr Umsatz. Gleichzeitig konnte durch bessere Kühlung die Qualität der Backwaren verbessert werden und ein thermoölbetriebener Backofen spart Energie. Die Kunden können in einem Onlineshop Waren bestellen und vor Ort abholen, nun plant Tobias Lennarz die Lieferung bis zu den Kunden. Produktions- und Personalplanung sind digitalisiert, auch die Rezepte werden online verwaltet.

Weitere Informationen auf: www.stamm-baeckerei.de und Facebook


Laux & Meurers GmbH, Perl
1989 gründete Eberhardt Laux im Nordsaarland ein Zwei-Mann-Unternehmen. Als sein Sohn Peter 2016 ihm als geschäftsführender Gesellschafter nachfolgte, waren daraus vier Elektro-, Heizungs- und Sanitätsbetriebe mit 85 Mitarbeitern in Deutschland und Luxemburg geworden mit 24 Stunden, 365 Tage pro Jahre-Notfalldienst. Verbürgt von der Bürgschaftsbank Saarland finanzierte er die Übernahme und mit einer stillen Beteiligung der Saarländischen Kapitalbeteiligungsgesellschaft stärkte er die Eigenkapitalquote. Vorbereitet hatte Laux sich durch Studium, Mitarbeit in der Firma und Praktika. Mit der gut geplanten und umgesetzten Nachfolge wurden 90 Arbeitsplätze gesichert.

Laux & Meurers legt viel Wert auf Ausbildung: Es werden immer 20 bis 25 Azubis ausgebildet und meist übernommen. Betreut werden sie von sieben Meistern. Für Azubis und Eltern gibt es jedes Jahr Azubikennenlerntage. Das Unternehmen steht im engen Kontakt zu den Berufsschulen und Schulen, für die es Praktika anbietet. Regelmäßig gibt es Entwicklungs- und Zielerreichungsgespräche und für den Besuch der Meisterschule bekommen Mitarbeiter finanzielle Unterstützung. Auch soziales Engagement wird großgeschrieben: Elternzeit für Handwerker und Techniker, Unterstützung der Mitarbeiter in schwierigen Situationen, Beschäftigung von kranken und schwerbehinderten Mitarbeitern oder Flüchtlingen als Azubis. Dafür wurde Laux & Meurers als familienfreundliches Unternehmen zertifiziert.

Die Digitalisierung treibt das Unternehmen schon länger voran: Auf Baustellen werden Tablets und Smartphones zur Fernwartung und -diagnose eingesetzt und Apps zur Zeiterfassung, mit denen das Controlling zur Abwicklung und Steuerung von Projekten gemacht wird. Mit digitalen Unterschriften können Kunden Aufträge auslösen oder sich mit einer 3 D-Badplanungssoftware und VR-Brillen bei einer „Vorabbegehung“ ihre geplanten Bäder ansehen. Sie haben ein großes Angebot für Bäder, Heizung, Gebäudeelektrotechnik und alternative Heiztechniken. Dafür gab es Preise und Zertifizierungen wie „Profi im Handwerk“ oder „Partners of Excellence“.

Mehr zu Laux&Meurers unter: www.laux-meurers.eu und Facebook


Bäckerei Bergmann & Sohn GmbH, Frömmstedt
1961 wurde der Grundstein für die Bäckerei Bergmann gelegt. Damals übernahm Winfried Bergmann die Gemeindebäckerei in Frömmstedt. Nach der Wende hat er umgebaut und einen Überlandfahrdienst eingerichtet. Auf ihn folgte sein Sohn Winfried, der seit 1993 Geschäftsführer ist. Er baute die erste Filiale um und machte aus der Dorfbäckerei eine Großbäckerei mit 300 Mitarbeitern und 45 Filialen in Thüringen und angrenzenden Bundesländern.

2015 stand der Bau einer neuen Auslieferungshalle an und die Backofenanlage in der Produktionshalle sollte modernisiert werden. Die Expansionsfinanzierung verbürgte die Bürgschaftsbank Thüringen. Das Vorhaben war sehr gut vorbereitet, brachte der Bäckerei fünf neue Arbeitsplätze und steigerte die Energieeffizienz: Mit dem neuen Ofen mit Wärmerückgewinnung konnten die Energiekosten gesenkt und die Produktivität von 450 auf 1.000 pro Stunde gebackene Brote erhöht werden. Zusätzlich wurde die  Beleuchtung ausgetauscht, was die Energiekosten nachhaltig senkt. Nachhaltig ist auch das soziale Engagement von Winfried Bergmann: Übrig gebliebene Backwaren und Brötchen stiftet er an die Erfurter Tafel.

Die Digitalisierung treibt Bergmann ebenfalls voran: Die Bäckerei hat mehrere Onlineauftritte, ist auf Youtube und Facebook. Alle Filialen arbeiten mit einem digitalen Kassensystem, das Käufern Inhalts- und Allergiestoffe anzeigt. Für die regelmäßige Weiterbildung der Mitarbeiter sorgt unter anderem ein Bäckermeister, der in alle Filialen fährt und Workshops zu Neuerungen bzw. Verbesserungen macht. Jedes Jahr organisiert die Bäckerei ein Backstubenfest, bei dem Kunden den ganzen Tag den Bäckereibetrieb mit verfolgen können.

Weitere Informationen auf: www.baeckerei-bergmann.de, www.tour-de-froemmschdt.de, www.backstubenfest.de, Facebook und YouTube